DEHOGA Hessen informiert zu den Auswirkungen der Corona-Krise (14)

16. April 2020
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Sondernewsletter zum Corona-Virus – DEHOGA Hessen vom 16. April 2020

Nach Verlängerung der Corona-Maßnahmen: DEHOGA fordert sofortiges Rettungspaket für das Gastgewerbe

(Berlin, 15. April 2020) Die am heutigen Mittwoch getroffenen Entscheidungen zu den Corona-Maßnahmen beweisen erneut, dass das Gastgewerbe die hauptbetroffene Branche der Krise ist. „Unsere Betriebe waren die ersten, die geschlossen wurden, und sind nun die letzten, die wieder öffnen dürfen“, erklärt Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband). Zöllick betont, dass das Gastgewerbe alles akzeptiert, was gesundheitspolitisch geboten sei. Allerdings müssten die Maßnahmen nachvollziehbar und begründet sein. „Umso wichtiger ist jetzt ein sofortiges Rettungspaket für die Branche, wie wir es von Beginn an gefordert haben“, sagt Zöllick. Nur so ließen sich eine Pleitewelle nie gekannten Ausmaßes und Massenarbeitslosigkeit verhindern.

Erstens: Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes

An erster Stelle stehe dabei die Einführung der reduzierten Mehrwertsteuer für gastronomische Umsätze ab dem ersten Tag der Wiedereröffnung. „Mit sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer könnten die nicht unerheblichen Umsatzausfälle aufgrund der dann einzuhaltenden Abstandsregelungen ein wenig kompensiert werden – und das völlig unbürokratisch, antragslos und sofort wirksam“, erläutert Zöllick. Der reduzierte Satz würde zudem mittelfristig helfen, aufgenommene Kredite auch tilgen zu können. Im Abhol- und Liefergeschäft, das derzeit von einigen Unter-nehmen angeboten wird, würden bereits sieben Prozent Umsatzsteuer gelten. „Wir brauchen jetzt dringend Maßnahmen, die Perspektiven eröffnen und Mut machen“, so Zöllick.

Zweitens: Bildung eines Rettungs- und Entschädigungsfonds

Angesichts der dramatischen Corona-Folgen für die Branche fordert Zöllick neben der steuerlichen Entlastung die Bildung eines Rettungs- und Entschädigungsfonds für das Gastgewerbe. „Es darf nicht sein, dass Deutschlands Gastgeber nur mit einer hohen Verschuldung aus der Krise gehen, sollten sie sie überhaupt überstehen, und keine Entschädigung erhalten“, so Zöllick. „Hier muss schnellstens ein Rettungsfonds mit direkten Finanzhilfen für die Betriebe geschaffen werden.“ Andere Branchen hätten in weitaus weniger dramatischen Situationen hohe staatliche Unterstützungsleistungen erhalten.

Sollten die Hilfen nicht oder zu spät fließen, befürchtet Zöllick, dass Tausenden kleinen und mittelständischen Betrieben die Luft ausgehe: „Unsere Familienbetriebe haben nicht die Rücklagen und Möglichkeiten großer Industrie oder Versicherungskonzerne, um aus eigener Kraft aus der Krise herauszufinden. Damit steht die einzigartige Vielfalt von Gastronomie und Hotellerie in Deutschland auf dem Spiel.“ Ganze touristische Strukturen drohten zerstört zu werden.

Die bislang getroffenen Maßnahmen der Bundesregierung sowie der Landesregierungen erkenne die Branche an, aber sie reichen definitiv nicht aus.

„Die Politik darf Deutschlands Gastgeber, die öffentlichen Wohnzimmer unserer Gesellschaft, die maßgeblich zur Lebensqualität beitragen, in diesen schwersten Tagen ihrer Geschichte nicht allein lassen“, so Zöllick. „Es kann und darf nicht sein, dass nur Großkonzerne durch den sogenannten Wirtschaftsstabilisierungsfonds gerettet werden und 223.000 gastgewerbliche Betriebe mit 2,4 Millionen Beschäftigten das Nachsehen haben.“ Hier müsse nachgebessert und das notwendige Rettungspaket auf den Weg gebracht werden.

Für Hessen erwartet der Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Wolf Mang,  dass die Landesregierung nun zügig „erste Lockerungen für die Zeit nach den Osterferien in Bereichen beschließen werde, in denen der Abstand zwischen Personen eingehalten werden kann. Dazu sollten neben dem Einzelhandel auch möglichst schnell Restaurants zählen.“

Gerald Kink, Präsident des Hotel- und Gastronomieverbands DEHOGA Hessen, sagte: „Natürlich sind wir als Branche enttäuscht, dass wir heute kein konkretes Datum für das schrittweise Wiederhochfahren unserer Betriebe erfahren haben. Aber auch wir akzeptieren den grundsätzlichen Vorrang medizinisch gebotener Notwendigkeiten vor wirtschaftlichen Überlegungen. Es wäre fatal, wenn wir zu früh wieder für unsere Gäste öffnen und dann aufgrund dramatisch hochschnellender Infektionszahlen ein erneuter Shutdown drohen würde. Dieser wäre für uns alle noch weitaus schlimmer. Jetzt kommt es für uns darauf an, wie wir gemeinsam mit der Politik das Bestehen unserer Betriebe weiter sichern können. Unsere Unternehmen wie die Bürgerinnen und Bürger auch, brauchen eine Perspektive. Ein Rettungspaket für das Gastgewerbe ist nun existentiell.

Statement von DEHOGA Hessen-Hauptgeschäftsführer Julius Wagner zu den gestrigen Entscheidungen von Bund und Ländern zur Verlängerung der Maßnahmen zur Bekämpfung des Cornona-Virus

Die Enttäuschung steht Hotellerie und Gastronomie in diesen Tagen ins Gesicht geschrieben.

Nicht etwa, weil wir mindestens bis Anfang Mai, bis eine Überprüfung der Lockerungen im Handel ggf. weitere Schritte zulässt, keine Öffnung von Restaurants oder Hotels zu erwarten haben.

Das war und ist uns allen klar gewesen. Oder sagen wir, die Mehrheit der Unternehmerinnen und Unternehmer hat angesichts des Primats des Gesundheitsschutzes dafür Verständnis. Die Mehrheit in Hotellerie und Gastronomie fürchtet ein zu frühes Öffnen und einen möglichen erneuten Shutdown sogar mehr. Und das obwohl viele Betriebe mit dem Rücken zur Wand stehen.

Nein, wir alle in der Branche sind enttäuscht, dass weder die Bundeskanzlerin noch die Ministerpräsidenten der Länder ein Wort an die Branche gerichtet haben als sie die Verlängerung der Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus verkündeten.

Ein Wort, dass ausdrückt: Wir sehen Euch. Wir wissen, Ihr, das Gastgewerbe, seid die hauptbetroffene Branche, und wir bitten Euch um Verständnis und Geduld.

Eigentlich hatte ich damit gerechnet, mit wütenden Nachrichten nach der Bekanntgabe der Entscheidungen zur andauernden Schließung der Betriebe überschüttet zu werden.

Ja, die Gastronomen und Hoteliers in Hessen sind mit dem DEHOGA kommunikativ in diesen Tagen, ich möchte sagen, organisch verbunden.

Über unzählige WhatsappGruppen, natürlich über Mail und die sozialen Netzwerke kommunizieren wir jeden Tag aktiv mit hunderten hessischen Unternehmerinnen und Unternehmern in Hotellerie und Gastronomie.

Doch, und das berührt mich persönlich und macht zugleich etwas wichtiges deutlich: ein Gefühl des stoischen Ertragens ist es, dass aus den meisten Nachrichten spricht. Fast schon Galgenhumor, sicher viel Verzweiflung. Aber sicher nicht plumpes Schimpfen und Poltern. Gastwirte und Hoteliers haben Familien, sind Bürgerinnen und Bürger und damit mit allen Sorgen genauso konfrontiert wie die ganze Gesellschaft.

Die Last, den Niedergang ihres Lebenswerks mit ansehen zu müssen. Die blanke Angst um den Verlust der eigenen Existenz, die ist da.

Umso mehr verdient es unser aller Achtung, wenn die Branche treu und duldsam zu Staat und Gesellschaft steht. Umso mehr bedarf es – wenn schon keine Perspektive eröffnet werden kann – eines öffentlich ausgesprochenen Wortes der Anerkennung.

Das Gastgewerbe weiß, sie werden die letzten sein, die aus dem derzeitigen Regiment von Kontaktsperren und Betriebsschließungen entlassen werden, so wie sie die ersten waren, die schon zu Beginn des Monats März am härtesten getroffen worden.

First in – last out.

Angesichts der bisherigen gewaltigen Unterstützung der verantwortlichen Politik der Regierung in Bund und Land haben wir keinen Zweifel daran, dass die Branche auch weiter nicht alleine gelassen wird. Ich betone ausdrücklich, wir sehen und wir spüren das. Und wir reden darüber. Und wir sind im Namen des Gastgewerbes dankbar.

Und wir blicken gemeinsam mit Hoteliers und Gastronomen nach vorn.

Deswegen haben wir bereits Vorschläge an die Landesregierung unterbreitet, nach welchen Maßgaben ein schrittweises Wiederhochfahren des Gastgewerbes, stattfinden könnte. Deswegen werden die kommenden Wochen intensiv nutzen, um diese Vorschläge zu konkretisieren und ein stabiles Schutzkonzept daraus zu entwickeln.

Wir sehen die Notwendigkeiten der Lage. Seht die Lasten der Branche auch!

Julius Wagner

Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen e.V.
Auguste-Viktoria-Straße 6, 65185 Wiesbaden
Fon: 0611/99201-0, Fax 0611/99201-22
info@dehoga-hessen.de
www.dehoga.hessen.de


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