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Düster und frustrierend: Zukunft der Heilbäder und Kurorte in Hessen fraglich

Nahezu zwei Jahre Corona-Pandemie stellen die Heilbäder & Kurorte in Hessen vor extreme Herausforderungen. Nach Lockdown und schrittweiser Öffnung, die nochmals ihre ganz eigenen Tücken mit sich brachte, wird es für viele Gesundheitsstandorte und ihre Haushalte nun eng.

„Düster und frustrierend,“ so bezeichnet der Vorsitzende des Hessischen Heilbäderverbandes, Bürgermeister Michael Köhler, die Haushaltsberatungen und die Planungen der Heilbäder und Kurorte für die nächsten Jahre. „Die Umsatzausfälle sind enorm und führen dazu, dass die Finanzierung der kurspezifischen Infrastruktur immer fraglicher wird.“

Rund 891 Millionen Euro Verlust durch Umsatzausfälle mussten die 30 Heilbäder und Kurorte in Hessen verkraften – allein 2020. Das zeigt eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissen-schaftlichen Instituts (dwif) zum Wirtschaftsfaktor Kur & Tourismus auf, die der Hessische Heilbäderverband in Auftrag gegeben hat. Und auch wenn die Umsatzverluste 2021 nicht ganz in dieser Höhe ausfallen dürften, fehlen doch die entscheidenden Mittel, um gerade die kurspezifische Infrastruktur weiterzuentwickeln.

Das größte „Sorgenkind“ für die Heilbäder und Kurorte sind nach wie vor die Thermen. Die schrittweise Öffnung der Thermen war ein wichtiger und richtiger Schritt, denn gerade ältere Menschen brauchen die Bewegung im warmen Wasser. Doch wirtschaftlich gesehen war und ist die Öffnung der Thermen mehr als fragwürdig. Die starke Begrenzung der Besucherzahlen und die deutlich erhöhten Anforderungen durch die Hygienekonzepte stehen in keinerlei Verhältnis mehr und führen zu einer untragbaren Anhäufung von Defiziten bei den Kurorten.

„Die Kompetenz-Zentren für Vorsorge, Rehabilitation und medizinische Versorgung brauchen mehr denn je finanzielle Unterstützung,“ macht Vorsitzender Köhler deutlich und wendet sich direkt an die Hessische Landesregierung. „Der aktuelle finanzielle Ausgleich sieht für die 30 Heilbäder und Kurorte zwar in den Jahren 2020, 2021 und 2022 jeweils zusätzliche 5 Millionen Euro vor. Diese Mittel werden jedoch nicht ausreichen, um die Löcher zu stopfen, geschweige denn die Infrastruktur weiterzuentwickeln. Deshalb muss der zusätzliche finanzielle Ausgleich von 5 Millionen Euro dauerhaft eingerichtet und ein Investitionsprogramm aufgelegt werden. Nur so können die Heilbäder und Kurorte in Hessen konkurrenzfähig bleiben.“

Für die Heilbäder & Kurorte kommt hinzu, dass drei wichtige Lebensadern ebenfalls extrem unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden.

(1) So konnten zahlreiche Kliniken 2020 und 2021 nicht ausreichend belegt werden, um eine Kostendeckung herbeizuführen. Die Patienten mussten zeitweise tagelang wegen Corona in den Häusern bleiben, weitere Umsätze im Ort konnten also nicht erzielt werden.

(2) Die Branchen Hotellerie und Gastronomie stehen vieler Orts vor einem Scherbenhaufen, denn die langen Schließungszeiten und auch die Besucherrückgänge haben zur Aufgabe der Betriebe geführt. Eine Situation, die gerade im ländlichen Raum auch in den nächsten Jahren nicht zu heilen ist.

(3) Gleiches gilt für den Einzelhandel, der auf bestellter Ware sitzengeblieben ist und tagtäglich um sein Überleben kämpft.

Gleichwohl bilden Kur & Tourismus die sozio-ökonomischen Lebensgrundlagen für die Heilbäder und Kurorte in Hessen, die hauptsächlich in den ländlichen Räumen liegen. Sie sind das Rückgrat der kurstädtischen Entwicklung und geben mehreren 10.000 Menschen Arbeit.

„Bewusst stellen wir in unserer neuen Studie ‚Wirtschaftsfaktor Kur & Tourismus‘ die Jahre 2019 und 2020 nebeneinander,“ erklärt die Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes, Almut Boller. „Damit wird deutlich, wie facettenreich die wirtschaftlichen Effekte des Kur- und Bäderwesens sind und warum es so wichtig ist, dass Politik und Gesellschaft in die Kurzentren investieren. Denn die prädikatisierten Orte stehen auch für die Menschen, die in den Heilbädern und Kurorten eine Beschäftigung finden. Sei es als Ärztin, als Krankenpfleger, als Mitarbeiter der Tourist-Information oder auch als Gärtnerin der Kuranlagen. Die Heilbäder und Kurorte gaben allein mit ihren Kernaufgaben 2019 rund 38.000 und 2020 rund 23.500 Menschen Arbeit.



Autorin: Almut Boller
Hessischer Heilbäderverband e.V.
Geschäftsführerin
E-Mail: almut.boller@hessische-heilbaeder.de
Telefon: (0611) 26 24 87 87
Website: https://www.hessische-heilbaeder.de
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