Menu

Tourismusradar Hessen – Ausgabe April 2023

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Repräsentativbefragung zeigt: Fast 37 Prozent der Reisewilligen präferieren derzeit eine Reise, die die Kombination aus Stadt- und Land ermöglicht.
  • Zwei Drittel der Befragten ziehen eine private Reise nach Hessen in Betracht.
  • Das Incoming-Geschäft in Hessen konnte sich 2022 im Vergleich zum Vorjahr zwar weiter erholen, der Abstand zu den Ankunftszahlen von 2019 liegt aber immer noch bei -36 Prozent.
  • Die Entwicklung der Übernachtungszahlen in Hessen im Jahr 2022 ist im Vorjahresvergleich mit 58 Prozent überdurchschnittlich und liegt im Ranking der Flächenbundesländer damit auf Platz 2. Verglichen mit den Veränderungsraten zu 2019 der anderen Flächenbundesländer, hat Hessen mit -16 Prozent noch den größten Aufholbedarf zum Vorkrisenniveau.

 

Tourismusradar Hessen – April 2023

Herzlich willkommen zur April-Ausgabe des Tourismusradars Hessen.

Nach der Sonderausgabe zum Thema Energie erwartet Sie in dieser Ausgabe ein Einblick in erste Ergebnisse der im Januar 2023 durchgeführten Repräsentativbefragung zum Reiseverhalten der Deutschen. Wie steht es um die Reiselust der Deutschen, wohin soll ihre nächste Reise gehen und was verbinden sie mit hessischer Kulinarik? Was denken Sie?
Zudem hält diese Ausgabe einen Jahresüberblick touristischer Kennzahlen für Sie bereit. Sie erhalten einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Ankunfts- und Übernachtungszahlen 2022 in Hessen sowie im Vergleich zum Deutschlandtourismus und über die Tourismusentwicklung der ausländischen Quellmärkte.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Die Themen im Überblick

 

Reiseverhalten der Deutschen – Ergebnisse der Repräsentativbefragung

Im Januar 2023 wurden erneut 500 Personen aus Deutschland zu ihrem allgemeinen Reiseverhalten und zum Reiseverhalten nach Hessen befragt. Erste Ergebnisse dieser Repräsentativbefragung möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Die Ergebnisse der Repräsentativbefragung für Hessen zeigen eine anhaltende Reiselust der Deutschen. Insgesamt haben 57 Prozent aller Befragten angegeben eine (sehr) große Reiselust zu haben. Dieses Bild deckt sich etwa mit den ersten Ergebnissen der FUR Reiseanalyse 2023 mit 54 Prozent positiver Resonanz zum Thema Reiselust und das trotz der bisher schlechtesten Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Situation unter den Befragten. Vor diesem Hintergrund wird sich für den hohen Stellenwert von Urlaub unter den Deutschen ausgesprochen und vorsichtig optimistisch eine hohe touristische Nachfrage für 2023 prognostiziert.

Die Fragestellung wurde im Verlauf konkretisiert. Befragte, die zuvor angaben, 2023 verreisen zu wollen, wurden nach ihrer Stadt und/oder Land Präferenz befragt. Über ein Drittel gibt an, eine kombinierte Reise zu bevorzugen. Fast ein weiteres Drittel spricht sich für Urlaub auf dem Land aus. Ein tieferer Blick in die Beantwortungen der unterschiedlichen Altersgruppen zeigt, dass die Reihenfolge der unten abgebildeten Reisevorlieben auf alle Gruppen übertragbar ist.

Die Frage nach der Mediennutzung zur Inspiration und Information bei der Reiseplanung ergab: Über ein Drittel informiert sich in Online-Hotelbuchungs-Portalen wie Booking, expedia oder Airbnb. Den zweiten Platz teilen sich mit 27 Prozent Online-Bewertungsportale wie Tripadvisor oder Holidaycheck und die Website der jeweiligen Unterkunft. Auf Platz 3 stehen Empfehlungen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis. In der Gruppe der 18- bis 29-jährigen informiert sich jeder Zweite über Hotelbuchungsportale. An zweiter Stelle mit 34 Prozent folgt Social Media als Quelle der Inspiration. Dieser Wert sinkt mit zunehmendem Alter. In der Altersgruppe der 60- bis 69-jährigen nutzen unter 10 Prozent Social Media in diesem Kontext.

Neben den Reisepräferenzen der Deutschen bilden insbesondere Hessen spezifische Fragen den Kern der Repräsentativbefragung.

In diesem Zusammenhang wurden die Teilnehmenden gefragt, ob sie sich eine private Reise nach Hessen vorstellen können. Zwei Drittel der Befragten sind für eine solche Reise offen („ja, auf jeden Fall“ oder „ja, vielleicht“). Etwa ein Viertel verneint die Frage eher und weniger als jeder Zehnte gibt an, definitiv nicht nach Hessen reisen zu wollen. Die Zustimmung fällt in der Gruppe der 18- bis 29-jährigen mit 61 Prozent am geringsten und unter den 50- bis 59-jährigen mit 71 Prozent am höchsten aus.

Ebenfalls Thema der Befragung: Kulinarik in Hessen. Kulinarik macht eine Region aus und unterscheidet sie von anderen. Während die hessische Kulinarik viel zu bieten hat, stellt sich die Frage nach der flächendeckenden Bekanntheit unter den Deutschen. Insbesondere vor dem Hintergrund des Potenzials regionaler Küche als nachhaltiges Alleinstellungsmerkmal, besonderes Erlebnis vor Ort und authentischer Identifikationsfaktor in Erinnerung zu bleiben. Daher wurden die Befragten nach drei Spontanassoziationen mit hessischer Kulinarik gefragt.

Während zwei Drittel der Befragten zwischen einer und drei Assoziationen mitteilten, machten 33 Prozent keine Angabe. Ein Indiz für die noch unzureichenden Bekanntheit hessischer Kulinarik.
Grundlegend lassen sich die erhaltenen Nennungen in vier Gruppen einteilen: Gerichte, Getränke, regionale Produkte und Adjektive. Häufig genannt werden regionale Bekanntheiten wie der Äppelwoi oder Frankfurter Grüne Soße. Die Befragten beschreiben die hessische Küche beispielsweise als deftig, schmackhaft oder traditionell. Ebenfalls dem einen oder anderen in Erinnerung geblieben ist die hessische Gastfreundlichkeit.

Einerseits werden konkrete Assoziationen, bspw. in Form von spezifischen Gerichten, deutlich. Andererseits bleibt der andere Teil der Ergebnisse eher allgemein, wie z.B. die beschreibenden Adjektive. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die hessische Kulinarik, trotz eines breiten Angebotsspektrums, unter einem Teil der Befragten noch eher weniger bekannt ist.

 

Zahlen – Daten – Fakten zum Hessen-Tourismus

Entwicklung der Gäste- und Übernachtungszahlen Hessen

 

Im Jahr 2022 verzeichnete Hessen insgesamt 29.767.764 Übernachtungen, was im Vergleich zum Vorjahr 2021 einen Anstieg von 58 Prozent bedeutet. Auch bei den Ankünften konnte ein deutlicher Anstieg um 88 Prozent auf insgesamt 12.686.699 verzeichnet werden. Während 2021 noch Lockdowns und stärkere pandemische Restriktion das Reisen erschwerten, profitierte das Reisejahr 2022 von der aufgestauten Reiselust der Deutschen in Kombination mit zunehmenden Lockerungen und gesellschaftlicher Adaption an das Pandemiegeschehen. Trotz der erreichten Steigerungen zum Vorjahr zeigt der Vergleich mit 2019, dass sich der Tourismus in Hessen noch nicht wieder vollständig erholt hat. Die Übernachtungszahlen konnten auch 2022 noch nicht wieder an das Vorkrisenniveau anknüpfen und lagen noch immer 16 Prozent unter den Zahlen von 2019.
Mit 3.082.510 Übernachtungen im Juli 2022 konnte Hessen sich erstmalig wieder dem Vorkrisenniveau von 3.393.306 Übernachtungen im Juli 2019 annähern. Somit lagen die Übernachtungszahlen im Juli nur noch 1 Prozent unter dem Vergleichswert. Die größte Diskrepanz zu den Zahlen von 2019 bestand im ersten Quartal des Jahres. Der Abstand zu den vorpandemischen Übernachtungen entsprach im Januar noch 47 Prozent, im Februar 44 Prozent und im März immer noch 35 Prozent.

Hinsichtlich der Verteilung der Übernachtungen in Hessen zeigt sich, dass 57 Prozent auf Städte mit über 50.000 Einwohnern entfallen, während die restlichen 43 Prozent dem ländlichen Raum zuzuordnen sind.

Vergleicht man die Übernachtungszahlen von Hessen mit den anderen Flächenbundesländern, so fällt auf, dass die Steigerung von 58 Prozent zum Vorjahr deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 45 Prozent liegt. Das einzige Bundesland in diesem Vergleich, das mit 61 Prozent eine noch größere Steigerung zu den Vorjahreszahlen aufweist, ist Nordrhein-Westfalen. Dieser überdurchschnittlichen Performance Hessens steht im Vergleich der Veränderung zu 2019 eine unterdurchschnittliche gegenüber. Während Hessen also im Vergleich der Entwicklung der Übernachtungszahlen zu 2021 auf Platz 2 der Flächenbundesländer abschneidet, besteht noch großes Anschlusspotenzial zum Vorkrisenniveau.

Der Abstand zu den Übernachtungszahlen von 2019 beträgt nämlich noch -16 Prozent. Damit hat Hessen den größten Aufholbedarf unter den Flächenbundesländern. Das einzige Bundesland, das sich 2022 verglichen mit 2019 sogar steigern konnte, ist Schleswig-Holstein. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Tourismusentwicklung in Hessen im Jahr 2022 sehr positiv war. Die Zahlen haben sich deutlich erholt, aber es bleibt noch Luft nach oben, um das Niveau vor der Krise wieder zu erreichen und im Vergleich mit anderen Bundesländern aufzuschließen.

Ein Blick auf die durchschnittliche Auslastung im Jahresverlauf der Betriebe in Hessen zeigt, dass die hessische Auslastung im Winterhalbjahr 2022 mit dem deutschlandweiten Durchschnitt mithalten oder diesen sogar übertreffen konnte. Insbesondere im Sommerhalbjahr zeichnet sich ein anderes Bild. In diesem Zeitraum liegt Hessen bis zu 11 Prozent (August 2022) unterhalb des Bundesdurchschnitts (49,2 Prozent).
Insgesamt lag die durchschnittliche Auslastung der angebotenen Betten im Gesamtjahr 2022 bei 33,6 Prozent und somit ca. 9 Prozent über dem Vorjahreswert. Allerdings schnitt Hessen auch hier im Vergleich mit dem deutschlandweiten Durchschnitt von 35,6 Prozent unterdurchschnittlich ab. Mögliche Gründe lassen sich in der noch ausstehenden vollständigen Erholung des Incoming Reisemarkts und des Geschäftsreisen Segments vermuten.

 

Zahlen – Daten – Fakten zu den internationalen Quellmärkten Hessens

Im Reisejahr 2022 lag der Anteil der ausländischen Gäste mit 2.599.545 Ankünften bei 20 Prozent. Das Vorkrisenniveau konnte dennoch auch in diesem Bereich noch nicht wieder erreicht werden (-36 Prozent im Vergleich zu 2019). Im Vergleich zu den Inlandsankünften, die noch 15 Prozent Rückstand zu 2019 aufweisen, ist der Aufholbedarf im Auslandsreisemarkt mehr als doppelt so groß.

Der größte Anteil an Gästen reiste aus den USA an (397.497 Ankünfte, durchschnittliche Aufenthaltsdauer 1,8 Tage). Eine Steigerung von +169 Prozent im Vergleich zu 2021. Danach folgen Gäste aus den Niederlanden mit insgesamt 268.353 Ankünften (durchschnittliche Aufenthaltsdauer 1,9 Tage) und einer damit einhergehenden Steigerungsrate von +119 Prozent. Platz 3 der wichtigsten ausländischen Quellmärkte für Hessen belegt 2022 das Vereinigte Königreich mit 151.911 Ankünften (durchschnittliche Aufenthaltsdauer 2,1 Tage). Hier zeigt sich die deutlichste Steigerung von +224 Prozent. Mit 142.528 Ankünften (durchschnittliche Aufenthaltsdauer 1,8 Tage) steht die Schweiz auf Rang 4. Auch in diesem Quellmarkt ein Anstieg von +121 Prozent. Frankreich bildet den Abschluss der Top 5 mit 119.007 Ankünften (durchschnittliche Aufenthaltsdauer 1,9 Tage) und +110 Prozent Veränderung zu 2021.

Insgesamt hat die Zahl der internationalen Ankünfte in Hessen um +143 Prozent zu 2021 zugenommen. Der Blick auf die Ankünfte aus dem europäischen Raum zeigt einen Anstieg um +123 Prozent und bestätigt somit weitestgehend die Prognose des World Travel & Tourism Council (WTTC) für 2022, der Europa Tourismus würde sich stark erholen. Von einer vollständigen Erholung lässt sich derzeit noch nicht sprechen, weil das Niveau europäischer Ankünfte von 2019 mit -26 Prozent noch nicht wieder erreicht werden konnte.

 

Ausblick

Im Mai 2023 wird die nächste Ausgabe des Tourismusradars erscheinen. Es erwartet Sie ein tieferer Einblick in die Ergebnisse der Repräsentativbefragung der deutschen Bevölkerung. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Untersuchung von Unterschieden in den Beantwortungen verschiedener Sinus Milieus.

Die aktuelle Ausgabe des Tourismusradars Hessen können Sie auch hier als pdf downloaden.

Quellen

Repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung (eigene Erhebung, exklusiv für Hessen)
Hessisches Statistisches Landesamt

Statistisches Bundesamt (Destatis)

World Travel & Tourism Council (WTTC): WTTC predicts a strong recovery of the European Travel & Tourism sector in 2022

FUR: Erste ausgewählte Ergebnisse der 53. FUR Reiseanalyse

 

Hinweis: Die Darstellung und Erläuterung der Entwicklung der statischen Kennzahlen basiert auf der Grundlage der bei den statischen Ämtern jeweils monatlich veröffentlichten, absoluten Daten.

 

Keine Felder gefunden.




Als PDF speichern
Seite Teilen Über:
Kommentare einblenden Kommentare ausblenden

Keine Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Weitere Artikel