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Tourismusradar Hessen – Ausgabe Juni 2021

30. Juni 2021
Aktuelle Informationen zum Corona-Virus / COVID-19 finden Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im April 2021 kamen im Vergleich zu April 2020 wieder deutlich mehr Gäste nach Hessen – 114 Prozent mehr Gäste und 83 Prozent mehr Übernachtungen. Auch wenn der Vergleich zu April 2019 noch ernüchternd ist, zeigt sich ein erster Aufwärtstrend.
  • Immer mehr Menschen haben bereits eine Reise gebucht: Waren es im April noch 11 Prozent mit konkreten Reiseplänen, hatten im Mai 2021 bereits 17 Prozent der Deutschen ihren Urlaub gebucht.
  • Pünktlich zum Beginn des Sommers wird das Reisen erleichtert: Die Einreise aus Ländern außerhalb der Europäischen Union ist seit dem 25. Juni grundsätzlich wieder möglich, Voraussetzung: eine vollständige Impfung gegen das Corona-Virus.
  • Hessen startet umfassende Digitalisierungsberatung für das Gastgewerbe: Den Auftakt macht die Sommer-Seminarreihe „Digitales Fingerfood“ der HA Hessen Agentur GmbH mit Online-Seminaren zur Wissensvermittlung für die Gastronomiebetriebe.

 

Tourismusradar Hessen – Juni 2021

Herzlich Willkommen zur zehnten Ausgabe des Tourismusradar Hessen.

Was erwartet Sie in der neuen Ausgabe des Tourismusradars? Wir blicken wie gewohnt auf die Entwicklung des Tourismus in Hessen, wo nach langer Zeit zumindest etwas erfreulichere Zahlen und Daten übermittelt werden können. Zudem betrachten wir die Entwicklungen in den internationalen Quellmärkten sowie das Infektionsgeschehen und den Impffortschritt in den für Hessen relevanten Quellmärkten. Abschließend gehen wir auf das Thema Qualität und Qualifizierung im Hessen-Tourismus ein und erläutern Angebote und Möglichkeiten für die hessischen Tourismusakteure zur Qualitätsverbesserung.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Zahlen – Daten – Fakten zum Hessen-Tourismus

Entwicklung der Gäste- und Übernachtungszahlen Hessen

Im April 2020 wurden im Vergleich zu April 2019 gut 92 Prozent weniger Ankünfte und knapp 84 Prozent weniger Übernachtungen in Hessen verzeichnet. Nun, ein Jahr später, kamen im April 2021 wieder deutlich mehr Gäste nach Hessen. Die hessischen Beherbergungsbetriebe verbuchten 114 Prozent mehr Gäste und 83 Prozent mehr Übernachtungen als noch im April 2020 – die Entwicklung der Anzahl der Gäste zeigt somit nach monatelangen Negativwerten wieder einen Aufwärtstrend gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Jedoch: der Vergleich zu April 2019 bleibt ernüchternd, denn im April 2021 wurden gut 80 Prozent weniger Gäste als noch vor zwei Jahren gemeldet. Somit haben sich im April die Ankunftszahlen in Hessen im Vergleich zu 2020 fast verdoppelt, bleiben aber weit unter dem Vorkrisenniveau. Dennoch: Die aktuell steigenden Ankunfts- und Übernachtungszahlen sowie die sinkenden Inzidenzen und die steigenden Impfquoten stimmen optimistisch für die bevorstehenden Sommermonate. Insgesamt wurden im April 2021 in den hessischen Beherbergungsbetrieben 213.399 Ankünfte und 846.399 Übernachtungen in- und ausländischer Gäste erfasst.

Deutschlandweit wurden im April 2021 in den Beherbergungsbetrieben 8,5 Mio. Übernachtungen gezählt. Dies entspricht 95 Prozent mehr Übernachtungen und somit fast doppelt so vielen Übernachtungen wie im April 2020, jedoch nur etwa einem Fünftel der Übernachtungen aus dem Vorkrisenmonat April 2019. Die Zahl der Übernachtungen entwickelte sich in allen Bundesländern positiv. Die größten Zuwächse der Übernachtungen verzeichneten mit Abstand die Küstenbundesländer Schleswig-Holstein (+252,1%) und Mecklenburg-Vorpommern (+162,9%). Hessen liegt mit +83% mehr Übernachtungen im Mittelfeld und Brandenburg verzeichnet mit +28,3% im Vergleich zu April 2020 die geringsten Zuwächse im Bundesländervergleich.

 

Wie steht es um die Reiselust der Deutschen?

Die Lust der Deutschen auf Reisen ist nach wie vor auf einem hohen Niveau: knapp 38 Prozent haben eine sehr große Lust auf Reisen, weitere 18 Prozent haben eine große Lust. Der Anteil derjenigen mit geringer oder keiner Reiselust liegt bei knapp einem Viertel der Deutschen. Im Hinblick auf die konkrete Urlaubsplanung sagt zwar weiterhin die Mehrheit (41%), dass sie zunächst keine Urlaubsreise unternehmen, sondern erst einmal abwarten werden. Aber: immer mehr Menschen haben ihre Reise bereits gebucht. Waren es im April noch 11 Prozent mit konkreten Reiseplänen, hatten im Mai 2021 bereits 17 Prozent der Deutschen ihren Urlaub gebucht. Und wohin soll die Reise gehen? Für die deutliche Mehrheit kommt vor allem ein Urlaub in Deutschland in Frage (77%). Knapp 47 Prozent geben an, dass für sie das Bundesland Hessen aktuell in Zeiten von Corona als privates Reiseziel in Frage kommt, allen voran für die 18- bis 29-Jährigen sowie die 30- bis 39-Jährigen (jeweils 54%).

Um als Anbieter für Gäste in Zeiten von Corona attraktiv zu sein, gilt weiterhin: Die Einhaltung der Hygienevorschriften ist der wichtigste Aspekt, den eine Unterkunft erfüllen sollte, 72% der Deutschen geben diesen Aspekt als Voraussetzung an, um eine Unterkunft in Zeiten von Corona für die Urlaubsreise in Betracht zu ziehen. Darüber hinaus spielen die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln in öffentlichen Bereichen (57%) und die Vorabinformation zu Hygienemaßnahmen in der Unterkunft (53%) eine wichtige Rolle, um das Sicherheitsbedürfnis der Gäste zu erfüllen. Etwa jeder zweite Deutsche gibt an, dass weiterhin eine Mund- und Nasenschutz-Plicht für Angestellte (52%) sowie für Gäste (49%) gelten sollte. Neben der Erfüllung der Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen in Unterkünften, können auch digitale Angebote im Reiseziel den Aufenthalt der Gäste während Corona angenehmer gestalten. An erster Stelle steht die Möglichkeit zu kontaktlosem Bezahlen, dies wird von mehr als jedem Zweiten als angenehm angesehen (53%). Darüber hinaus werden die Vorabbestellung in Restaurants (45%) sowie die Reservierung von gastronomischen und Freizeiteinrichtungen per Internet oder App (43%) geschätzt ebenso wie digitale Speisekarten (42%). Weniger im Fokus stehen hingegen digitale Alternativen für Veranstaltungen (13%). Um den Anforderungen und Wünschen der Gäste, besonders vor dem Hintergrund der gestiegenen Ansprüche durch die Corona-Pandemie gerecht zu werden, spielt das Thema Qualifizierung der Leistungsanbieter in den Destinationen eine bedeutsame Rolle – ein Thema, welches wir im „Themen-Spezial“ dieser Ausgabe noch genauer betrachten.

 

Zahlen – Daten – Fakten zu den internationalen Quellmärkten Hessens

Im April 2021 kamen gut 35.300 ausländische Gäste nach Hessen und verzeichneten rund 110.400 Übernachtungen. Dies entspricht im Vergleich zu April 2020 knapp 182 Prozent mehr Gästen sowie gut 73 Prozent mehr Übernachtungen. Dabei wurde in allen betrachteten internationalen Quellmärkten ein Plus bei der Entwicklung der Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet: USA +206,8%, Schweiz +326,5%, Österreich +190,5%, Großbritannien +84%, Niederlande +42,5% und China +7,4%. Bei der Betrachtung dieser Übernachtungszuwächse sind allerdings die sehr hohen Rückgänge der Übernachtungen im von der Corona-Pandemie stark beeinträchtigten April 2020 zu berücksichtigen.

Hinsichtlich der Einreisebedingungen aus den für Hessen relevanten Quellmärkten nach Deutschland haben sich in den vergangenen Tagen und Wochen einige Änderungen ergeben, pünktlich zum Beginn des Sommers wird das Reisen erleichtert. So ist die Einreise aus Ländern außerhalb der Europäischen Union seit dem 25. Juni grundsätzlich wieder möglich, sofern eine vollständige Impfung mit einem anerkannten Impfstoff vorhanden ist (derzeit Impfstoffe der Firmen Pfizer-BioNTech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson). Auch Besuchsreisen sowie touristische Reisen sind so wieder möglich. Darüber hinaus hebt die Bundesregierung ab dem 1. Juli die generelle Reisewarnung für touristische Reisen in Corona-Risikogebiete auf – nach mehr als einem Jahr. Ab Juli wird zudem nicht mehr generell von touristischen Reisen ins Ausland abgeraten, jedoch „um besondere Vorsicht gebeten“. Bei Einreise nach Deutschland mit dem Flugzeug gilt aber weiterhin die Nachweispflicht eines negativen Testergebnisses, einer vollständigen Impfung oder einer Genesung – unabhängig davon, ob die Einreise aus einem Risikogebiet erfolgt oder nicht.

Im Juni wurden auch einige Länder von der Liste der Risikogebiete gestrichen, so gehören ganz Österreich, die Schweiz, die Niederlande (mit Ausnahme der überseeischen Teile Aruba und Sint Maarten) und auch die USA nun nicht mehr zu den Risikogebieten. Somit wächst die Hoffnung auf ein zeitnahes Comeback des Incoming-Tourismus weiter.

Die hier dargestellten Daten werden in jeder Ausgabe des Tourismusradars aktualisiert, die aktuellen Einordnungen der Risikogebiete seitens des RKI finden Sie hier: Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete durch das Auswärtige Amt.

 

Infektionslage und Impffortschritt in den Quellmärkten

Während sich in Deutschland sowie in den USA, den Niederlanden, in der Schweiz und in Österreich die Infektionslage weiter verbessert und die 7-Tage-Inzidenz in diesen Ländern in den letzten Wochen weiter gesunken ist, verzeichnet Großbritannien wieder eine steigende Inzidenz. Zum Zeitpunkt der letzten Tourismusradar-Ausgabe Ende Mai wies das Land unter den hier betrachteten Quellmärkten die mit Abstand niedrigste Inzidenz auf (22,9 Stand 25.05.2021). Doch die Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus schreitet im Land stark voran. Aktuellen Berichten zufolge liegt der Anteil der Delta-Variante bei etwa 90% der Neuinfektionen und die aktuelle Inzidenz beträgt 168,8. Als Folge dessen wurden in Großbritannien die geplanten letzten Lockerungen der Corona-Maßnahmen vorerst auf Mitte Juli verschoben. Vorgesehen war die Öffnung von Diskotheken und Veranstaltungshallen sowie die volle Auslastung von Hotels und Restaurants. In der Zeit der Verschiebung der weiteren Lockerungen soll das Impfprogramm weiter beschleunigt werden. Die Niederlande dagegen, welche Ende Mai noch eine Inzidenz von über 160 aufwiesen und aktuell eine Inzidenz von 25,0 haben, kündigten zu Ende Juni umfassende Lockerungen an. So gelten dort – sofern die Abstandsregeln eingehalten werden – kaum mehr Corona-Beschränkungen und auch Maskenpflicht wird größtenteils aufgehoben.

(Stand 29.06.2021, ZEIT ONLINE: Coronavirus: Entwicklung im internationalen Vergleich,
Our World in Data: Coronavirus (COVID-19) Vaccinations) – Hinweis: Aktuelle Daten zu China liegen in den Quellen nicht vor.)

Gleichzeitig zu den überwiegend sinkenden Inzidenzwerten zeigt der Impffortschritt in den Quellmärkten – eine wichtige Voraussetzung für das baldige Comeback des Incoming-Geschäfts – steigende Quoten. Mittlerweile ist in fast allen betrachteten Ländern mindestens die Hälfte einmal gegen Corona geimpft. In Großbritannien und in den USA ist knapp jeder Zweite bereits vollständig geimpft. In Bezug auf das Tempo bei den Impfungen ist Großbritannien weiter an der Spitze, gefolgt von den USA. Aber auch in den europäischen Quellmärkten nimmt die Impfgeschwindigkeit zu.

(Stand 29.05.2021, Our World in Data: Coronavirus (COVID-19) Vaccinations)
Die Grafik zeigt die Gesamtzahl der verabreichten COVID-19-Impfstoffdosen pro 100 Personen der Gesamtbevölkerung. Dargestellt werden die Einzeldosen, dies entspricht ggf. nicht der Gesamtzahl der geimpften Personen.

 

Aktuelles aus den Quellmärkten

Der Fortschritt bei den Impfungen spielt für den Tourismus eine große Rolle, insbesondere für Reisen außerhalb des eigenen Landes. Eine Untersuchung aus April 2021, welche im Rahmen des Webinars Market Insight Schweiz 2021 der Deutschen Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) Anfang Juni vorgestellt wurde, zeigt beispielsweise, dass 47 Prozent der Schweizer ins Ausland verreisen möchten, sobald sie geimpft sind. Zudem ist die individuelle Reisefreiheit eine der Hauptgründe für eine Impfung für die Schweizer, neben dem Pflegen von sozialen Kontakten und dem persönlichen Treffen von Freunden und Familie. Aktuell weist die Schweiz eine Quote von 48,5% Prozent bei den Erst- und 32,2% Prozent bei den Zweitimpfungen auf.

Insgesamt hat die Schweiz einen vergleichsweise liberalen Umgang mit der Corona-Pandemie gewählt, der „Schweizer Weg“ zeichnet sich durch weniger Einschränkungen des gesellschaftlichen und des wirtschaftlichen Lebens aus als beispielsweise in Deutschland. So waren in der Schweiz Hotels z.B. nie komplett geschlossen und auch die Skilifte blieben geöffnet. Als Folge dessen ist die Schweizer Wirtschaft weniger geschrumpft als andere in Europa. Im vergangenen Corona-Jahr 2020 haben die Schweizer viel Geld gespart, die Sparquote ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Erwartet wird, dass u.a. die Rekordersparnisse zu einem „Konsumrausch“ führen, insbesondere in den Bereichen Reisen, Hotels und Restaurants sowie Kultur und Freizeit – ein positiver Ausblick auch für Deutschland.

Ebenso positiv: die Schweizer haben Lust auf Urlaub in Deutschland. Laut der IPK Covid-19 Studie im Auftrag der DZT hatten im Januar 2021 weltweit 24 Prozent die Absicht in den nächsten 12 Monaten nach Deutschland zu reisen, in der Schweiz lag der Anteil bei 40 Prozent. Die DZT prognostiziert für 2021 insgesamt 3,9 Mio. Übernachtungen von Schweizern in Deutschland. Dies entspricht mehr als der Hälfte der Übernachtungen des Rekordjahres 2019 (7,1 Mio. Übernachtungen, 2020 waren es 3,1 Mio. Übernachtungen). Um das Potenzial an Reisenden aus dem Quellmarkt Schweiz für Deutschland zu gewinnen, hat die DZT eine Inspirationskampagne in der Schweiz gestartet. Unter dem Motto „Schweizen in Deutschland“ werden die über 100 „Schweizen“ beworben, welche in Deutschland entdeckt werden können, wie beispielsweise die Sächsische Schweiz, die Fränkische Schweiz, die Holsteinische Schweiz oder die Flörsheimer Schweiz (www.germany.travel/schweizen).

Die Schweiz ist nach den Niederlanden der zweitwichtigste Quellmarkt für das Deutschland-Incoming. Neben der guten Erreichbarkeit als Nachbarland durch die unkomplizierte Anreise mit dem Pkw oder der nachhaltigen Anreise mit dem Zug und der kulturellen Nähe, sieht die DZT folgende Themen als Potenzialthemen für die Reisenden aus der Schweiz: Schlösser, Burgen, Parks und Gärten, Gesundheit & Wellness, Natur & Aktiv, Ferienstraßen sowie Kulinarik & Genuss – Themen die auch Hessen für die Schweizer attraktiv macht.

Dass nicht nur die Schweizer, sondern generell die Menschen in Europa eine steigende Lust auf Reisen haben, zeigt auch das aktuelle Monitoring der European Travel Commission („Monitoring Sentiment for Domestic and Intra-European Travel“). Demnach wollen 70 Prozent der Befragten im kommenden halben Jahr verreisen (Befragungswelle Mai 2021). Zuvor lag der Anteil bei 56 Prozent im Februar 2021 und bei 54 Prozent im Dezember 2020. Mehr als die Hälfte derjenigen, die verreisen möchten, plant einen Urlaub innerhalb Europas. Am stärksten ausgeprägt ist die Reiseabsicht für die Sommermonate im Juni/Juli (31%) und August/September (41%). Aktuelle Analysen von Tourism Economics zeigen zudem positive, längerfristige Perspektiven für das Reiseland Deutschland. Bereits 2023 könnte demnach gemessen an der Anzahl an internationalen Übernachtungen das Vorkrisenniveau aus 2019 übertroffen werden.

 

„Themen-Special“: Qualität und Qualifizierung im hessischen Tourismus

Im „Themen-Special“ dieser Ausgabe des Tourismusradars richten wir den Blick auf das Thema Qualität und Qualifizierung – ein Thema, welches auch vor dem Hintergrund der durch die Corona-Pandemie weiter gestiegenen Ansprüche der Gäste eine wichtige Rolle für den Hessen-Tourismus spielt. Durch die zunehmende Qualitätsorientierung der Gäste ist das Thema Qualität ein strategischer Erfolgsfaktor in der Tourismusentwicklung und ein immer wichtiger werdendes Wettbewerbskriterium. In der Strategie für den Tourismus im ländlichen Raum in Hessen wird Qualität daher neben Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Mobilität als wichtiges Querschnittsthema und Erfolgsfaktor für den ländlichen Tourismus in Hessen definiert und auch in dem Strategischen Marketingplan für den Tourismus in Hessen 2019-2024 nimmt das Thema Qualität eine bedeutende Rolle ein und wird als strategischer Weg für den Tourismus in Hessen verankert.

Doch wie steht es um die Qualität im hessischen Tourismus? Die Qualitätskennziffern im Tourismus für Hessen zeigen in den letzten Jahren einen deutlichen Verbesserungsbedarf, denn Hessen liegt im Bundesländerranking oft auf den hinteren Plätzen. Der TrustScore – dieser gibt auf einer Skala von 0-100 an, wie zufrieden die Gäste mit ihrem Aufenthalt in Beherbergungsbetrieben waren – hat sich 2020 im Vergleich zu 2019 zwar positiv entwickelt und ist von 81,7 auf 82,5 gestiegen. Nichtsdestotrotz liegt Hessen auf Rang 13 der Flächenbundesländer.

Um die Qualitätsentwicklung im hessischen Tourismus voranzutreiben, bietet die Qualitätsinitiative Qualität kompakt. – eine gemeinsame Initiative des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA Hessen, des Hessischen Tourismusverbandes und der Hessen Agentur – den touristischen Akteuren in Hessen Unterstützung und Hilfestellung bei deren Qualitätsverbesserung an. Zielsetzung der Initiative ist, hessenweit eine systematische und nachhaltige Verbesserung zielgruppenbezogener Qualität zu erreichen. Qualität kompakt. vereint vier touristische Qualitätssysteme unter einem Dach, welche den touristischen Betrieben die Verbesserung der Qualität mit System ermöglichen:

  • „Deutsche Hotelqualifizierung“
  • „Hessen à la Carte“
  • „Reisen für Alle“
  • „ServiceQualität Deutschland in Hessen“

Die Klassifizierungen und Zertifizierungen spielen allerdings in der Außendarstellung aufgrund der zunehmenden Wichtigkeit von Bewertungsportalen bei der Reiseentscheidung eine nur untergeordnete Rolle. Vielmehr sind die dahinterstehenden Prozesse innerhalb der Betriebe wichtig, um im Betrieb und bei den Mitarbeitern den Qualitätsgedanken zu verankern und so mittel- und langfristig die Qualität und auch die Zufriedenheit der Gäste zu steigern. Und bei Reiseentscheidungen können sie das Zünglein an der Waage sein, wenn die Entscheidung bei ähnlichen Bewertungen zwischen klassifizierten und nicht klassifizierten zu fällen ist. Weitere Informationen zu der Initiative finden Sie unter: https://qkompakt-hessen.de/.

Ein weiterer Ansatzpunkt für die systematische Qualitätsverbesserung und Qualitätssicherung im Hessen-Tourismus ist die durch die Hessen Agentur initiierte Entwicklung eines Leitfadens bzw. einer „Best-of-Strategie“ zur Identifikation typisch hessischer Vorzeigeangebote und -produkte. Um diese „Best-of-Strategie“ umzusetzen, werden Vorzeigeangebote und -produkte gesucht, die definierten Anforderungen und Kriterien der Markenfamilie, der definierten Zielgruppen sowie der Qualitätserfordernisse entsprechen. Durch die Entwicklung und Sichtbarmachung besonders zielgruppengerechter Vorzeigeangebote soll die Zufriedenheit der Reisenden nach Hessen gesteigert und eine Erhöhung der Wertschöpfung in den jeweiligen Regionen erreicht werden. Vorzeigeangebote können dabei Angebote aus Beherbergung und Gastronomie, regionale Produkte, touristische Angebote und buchbare Produkte sowie Events und Veranstaltungen sein. Diese Angebote und Produkte sollen sich profilgebend auf ganz Hessen auswirken und im Zeichen der neuen Markenfamilien-Strategie stehen. Weitere Informationen zur „Best-of-Strategie“ finden Sie in Kürze auf dem Tourismusradar.

Wie oben im Abschnitt Zahlen – Daten – Fakten zum Hessen-Tourismus beschrieben, spielt neben der Angebots- und Servicequalität der touristischen Akteure auch die Digitalisierung eine immer wichtigere Rolle für die Reisenden. Insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie können digitale Angebote den Aufenthalt der Gäste angenehmer gestalten und werden von diesen auch erwartet. Diskussionsrunden im Rahmen eines Workshops des Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes zum Thema „Das neue Reisen“ ergaben, dass die Pandemie die digitalen Bedürfnisse der Reisenden zwar nicht grundlegend verändert hat, jedoch aber verstärkt hat. Der Anspruch an digitale Angebote hat sich erhöht und folglich werden bestimmte Angebote, wie beispielsweise eine Online-Buchung, als Grundvoraussetzung angesehen. Somit sind die Akteure im Tourismus gefordert, ihre digitalen Angebote zu optimieren und weitere digitale Services zu entwickeln.

Gerade auch in der Gastronomie werden digitale Services und Konzepte nachgefragt (wie beispielsweise kontaktloses Bezahlen, Vorabbestellung in Restaurants, digitale Speisekarten etc., s. oben Zahlen – Daten – Fakten zum Hessen-Tourismus) und auch interne Prozesse wie die Warenwirtschaft können durch digitale Systeme vereinfacht und verbessert werden. Um den digitalen Status Quo im hessischen Gastgewerbe zu ermitteln, hat die Hessen Agentur im Frühjahr 2021 eine Online-Befragung der Betriebe durchgeführt. Aus den Ergebnissen dieser Erfassung wurde ein konkreter Handlungsbedarf für Beratungs- und Schulungsangebote für die Betriebe abgeleitet. Diesem kommt das Land Hessen nun mit einer umfassenden Digitalisierungsberatung nach. Auftakt der Beratung ist die Sommer-Seminarreihe „Digitales Fingerfood“ der Hessen Agentur. In verschiedenen Online-Seminaren wird hier den Gastronomiebetrieben Wissen u.a. zu Marketing für Gastgeber, digitalem Qualitätsmanagement und Content-Gestaltung vermittelt. Das erste Online-Seminar startete bereits im Juni. Darauf aufbauend folgt eine individuell abgestimmte Digitalisierungsberatung in den Betrieben. Weiterführende Informationen sowie Anmeldemöglichkeiten zu der Sommer-Seminarreihe „Digitales Fingerfood“ finden Sie im Tourismusnetzwerk Hessen.

 

Ausblick

Im Juli blicken wir neben den gewohnten Themen wie die Entwicklung des Tourismus in Hessen und die Entwicklungen in den wichtigen Quellmärkten USA, China, Niederlande, Großbritannien, Österreich und Schweiz auf das Thema Urlaub am Wasser. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen würde momentan am liebsten ans Meer reisen (Repräsentativbefragung Hessen, eigene Erhebung) – doch auch Hessen bietet Möglichkeiten für Urlaub am Wasser.

Die Ausgabe 10 des Tourismusradar Hessen können Sie auch hier als pdf downloaden.

 

Quellen

Repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung (eigene Erhebung, exklusiv für Hessen)
Hessisches Statistisches Landesamt
Statistisches Bundesamt (Destatis)
Auswärtiges Amt: Informationen zu Einreisebeschränkungen, Test- und Quarantänepflicht in Deutschland
Tagesschau.de: Viele Länder kein Risikogebiet mehr
Tagesschau.de: England verschiebt Lockerungen
Government of the Netherlands: Netherlands to take big step in relaxing measures: almost everything allowed with 1.5-metre distancing
German Missions in the United States: Coronavirus (COVID-19)
Market Insight Schweiz 2021, Webinar Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.
Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.: Reiseabsichten Europa
European Travel Commission: European’s travel sentiment skyrockets in view of vaccine rollouts and introduction of EU digital covid certificate
Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes: Workshop: Die neuen Präferenzen von Kunden und Anbietern sind vereinbar

Hinweis: Die Darstellung und Erläuterung der Entwicklung der statischen Kennzahlen basiert auf der Grundlage der bei den statischen Ämtern jeweils monatlich veröffentlichten, absoluten Daten.



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