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Tourismusradar Hessen – Ausgabe Februar 2021

25. Februar 2021
Aktuelle Informationen zum Corona-Virus / COVID-19 finden Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Dezember 2020 wurden im Vergleich zum Vorjahresmonat 70 Prozent weniger Übernachtungen in den hessischen Beherbergungsbetrieben gezählt. Noch stärkere Rückgänge verzeichnete nur der vom ersten Lockdown stark betroffene April.
  • Von Januar bis Dezember 2020 reisten insgesamt 6,9 Mio. Personen nach Hessen und verbrachten gut 18,5 Mio. Übernachtungen im Bundesland (57 Prozent weniger Ankünfte und 48 Prozent weniger Übernachtungen als 2019).
  • Die Reiselust der Deutschen ist leicht gewachsen: knapp jeder Zweite hat eine sehr große oder zumindest große Lust auf Reisen.
  • Die Top 5-Reisearten während Corona sind Natururlaub, Erholungsurlaub, Urlaub in den Bergen sowie Urlaub auf dem Land und Aktivurlaub (z.B. Wandern und Radfahren).

 

Tourismusradar Hessen – Februar 2021

Herzlich Willkommen in Ausgabe 6 des Tourismusradar Hessen.

Auch in dieser Ausgabe ist der Blick auf die Tourismusentwicklung in Hessen und die für Hessen wichtigsten Quellmärkte wieder geprägt vom anhaltenden und erneut verlängerten Lockdown. Dennoch möchten wir den Blick zurückwerfen auf das Tourismusjahr 2020, da nun die Ankunfts- und Übernachtungszahlen des Statistischen Amtes aus Dezember und damit auch für das gesamte Jahr 2020 vorliegen: Wie hat sich der hessische Tourismus im Verlauf des Corona-Jahres 2020 entwickelt? Wie hat sich die Corona-Pandemie insgesamt auf die Beherbergungsstatistik in Hessen ausgewirkt? Darüber hinaus fokussieren wir in dieser Ausgabe den nach Übernachtungsaufkommen 2019 wichtigsten internationalen Quellmarkt, die USA, und werfen einen Blick auf das Segment des Kulturtourismus.

 

Zahlen – Daten – Fakten zum Hessen-Tourismus

Entwicklung der Gäste- und Übernachtungszahlen Hessen

Wie schon im November sind auch für Dezember 2020 durch den geltenden Lockdown und das anhaltende Verbot touristischer Übernachtungen erhebliche Rückgänge bei den Ankunfts- und Übernachtungszahlen in Hessen zu verzeichnen. Insgesamt wurden im Dezember 176.163 Ankünfte und 730.493 Übernachtungen beim Statistischen Landesamt gemeldet. Im Vergleich zu Dezember 2019 bedeutet dies knapp 84 Prozent weniger Ankünfte und 70 Prozent weniger Übernachtungen in den hessischen Beherbergungsbetrieben.

Da mit Vorliegen der Dezember-Daten beim Statistischen Landesamt nun das gesamte Jahr 2020 abgebildet ist, möchten wir Ihnen in dieser Ausgabe noch einmal einen Gesamtüberblick über das Corona-Jahr 2020 verschaffen.

Von Januar bis Dezember 2020 reisten insgesamt 6,9 Mio. Personen nach Hessen und verbrachten gut 18,5 Mio. Übernachtungen im Bundesland. Somit wurden 57 Prozent weniger Ankünfte und 48 Prozent weniger Übernachtungen gezählt als noch 2019. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland sank im Vorjahresvergleich um etwa 43 Prozent auf 15,6 Mio. Von Gästen aus dem Ausland wurden mit insgesamt 2,8 Mio. Übernachtungen 66 Prozent weniger Übernachtungen verzeichnet als 2019. Deutschlandweit ist die Zahl der Übernachtungen um 39 Prozent auf 302,3 Mio. gesunken. Wie bereits in der letzten Ausgabe des Tourismusradars beschrieben, hat sich Hessen im Vergleich zu den anderen Flächenbundesländern unterdurchschnittlich entwickelt (s. Tourismusradar Ausgabe Januar). Während Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein auf das gesamte Jahr 2020 gesehen mit 19 Prozent bzw. 20 Prozent weniger Übernachtungen die geringsten Rückgänge der Flächenbundesländer verzeichneten, stellen Hessen (-48%) und Nordrhein-Westfalen (-47%) die „Schlusslichter“ in der Übernachtungsentwicklung dar. Ein Faktor für die unterdurchschnittliche Übernachtungsentwicklung in Hessen wird in dem Wegfall der in- und ausländischen Geschäftsreisenden gesehen. Der fehlende Geschäftsreisetourismus sowie der stark durch die Corona-Pandemie eingebrochene Städtetourismus spiegeln sich auch in der Übernachtungsstatistik der hessischen Städte wider. Insbesondere Frankfurt am Main verzeichnet 2020 mit 65 Prozent weniger Ankünften und 62 Prozent weniger Übernachtungen sehr hohe und gleichzeitig die stärksten Rückgänge in Hessen. Auch die Stadt Darmstadt und die Stadt Kassel weisen mit -54 Prozent bzw. ‑50 Prozent sehr hohe Übernachtungsrückgänge auf. Die geringsten Verluste im Hinblick auf die Übernachtungsentwicklung in Hessen verzeichnet der Landkreis Wetteraukreis (-33%).

Der Blick auf die Ankunfts- und Übernachtungszahlen im Jahresverlauf zeigt zunächst einen positiven Start für Hessen. Zu Jahresbeginn im Januar und Februar 2020 lag die Zahl der Übernachtungen noch leicht über dem Vorjahresniveau. Mit dem ersten Lockdown ab Mitte März und den weltweiten Ein- und Ausreisebeschränkungen sowie den nur noch zu notwendigen Zwecken erlaubten Übernachtungsangeboten brachen die Zahlen ein und der April verzeichnete 84 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahr. Damit war der April der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Monat im Jahr 2020.

Nach den schrittweisen Lockerungen der Einreisebeschränkungen nach Deutschland und den ersten Corona-Lockerungen verzeichnete der hessische Tourismus von Mai bis Oktober eine leichte Erholung der Übernachtungszahlen, Vorjahreswerte hingegen konnten auch in diesem Zeitraum nicht erreicht werden. Denn auch im Sommer wirkten sich regionale Beherbergungsverbote für Reisende aus inländischen Risikogebieten und die Einschränkungen im weltweiten Reiseverkehr auf die Tourismusentwicklung aus. Mit dem zweiten Lockdown ab November 2020 sind die Ankünfte und Übernachtungen in Hessen wie oben bereits erläutert wieder stark gesunken.

 

Wie steht es um die Reiselust der Deutschen?

Nach einer relativ konstanten Reiselust der Deutschen von August bis Dezember 2020, ist die Lust auf Reisen im Januar noch einmal etwas angestiegen: Knapp 50 Prozent der Deutschen (Basis: Repräsentativbefragung der deutschen Bevölkerung, exklusiv für Hessen) haben eine sehr große oder große Reiselust. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen haben 45 Prozent eine sehr große Reiselust und weitere 16 Prozent eine große Reiselust. Und auch in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sowie der 40- bis 49-Jährigen haben 58 Prozent bzw. 51 Prozent eine (sehr) hohe Reiselust. Lediglich bei den über 50-Järhigen überwiegt der Anteil derjenigen mit einer geringen bis gar keiner Lust auf Reisen.

Im Hinblick auf die konkrete Planung einer Urlaubsreise heißt die Devise jedoch weiterhin: abwarten. Etwa 40 Prozent der Befragten geben wie auch schon in den vergangenen Monaten an, zunächst keine Urlaubsreise unternehmen, sondern erst einmal abzuwarten zu wollen. Doch wenn wieder gereist wird, welche Art von Reise unternehmen die Deutschen, vor allem in Zeiten von Corona, am liebsten? Normalerweise werden der Erholungsurlaub (66%), der Strand-/Badeurlaub (64%) und die Städtereise (61%) von der Mehrheit der Deutschen bevorzugt, gefolgt von Natururlaub (41%) und Urlaub in den Bergen (35%). Doch in Zeiten der Corona-Pandemie ändert sich das Ranking der bevorzugten Reisearten:

Die Top 5-Reisearten während Corona sind Natururlaub, Erholungsurlaub, Urlaub in den Bergen sowie Urlaub auf dem Land und Aktivurlaub (z.B. Wandern und Radfahren). Abgesehen vom Urlaub in den Bergen sind dies Reisearten, welche auch gut in Hessen unternommen werden können. Welche hessischen Destinationen für diese Reisearten jetzt während der Corona-Pandemie aus Sicht der befragten Deutschen besonders geeignet sind, zeigt die nachfolgende Tabelle (Basis: Repräsentativbefragung der deutschen Bevölkerung). Für Erholungsurlaub, Aktivurlaub, Natururlaub und Urlaub auf dem Land sehen die Deutschen insbesondere die Rhön, den Spessart und den Westerwald als geeignete Regionen. Aber auch die anderen Destinationen werden für einzelne der aktuell bevorzugten Reisearten als geeignet angesehen. Lediglich FrankfurtRheinMain ist etwas abgeschlagen. Die Region ist aus Sicht der Befragten vor allem für Shopping-Urlaub (60%), Städte- und Eventreisen (57% bzw. 43%) sowie Spaß-/Fun-Urlaub (38%) geeignet.

Zu beachten: Die Fallzahlen für die einzelnen Destinationen variieren stark, da diese Frage lediglich den Befragten gestellt wurde, denen die jeweilige Destination mindestens vom Namen nach bekannt ist.

 

Zahlen – Daten – Fakten zu den internationalen Quellmärkten Hessens

Durch den im Dezember weiterhin geltenden Lockdown verbunden mit dem Verbot touristischer Übernachtungen, durch das hohe Infektionsgeschehen in den Ländern sowie durch die bestehenden Reisebeschränkungen haben sich die Ankunfts- und Übernachtungszahlen aus den internationalen Quellmärkten Hessens im Vergleich zur letzten Tourismusradar-Ausgabe erwartungsgemäß nicht verbessert. Im letzten Monat des Corona-Jahres 2020 verzeichneten die für Hessen wichtigsten Quellmärkte Österreich, Schweiz, Niederlande, Großbritannien, USA und China zwischen 74 Prozent bis 93 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahresmonat. Auf das gesamte Jahr betrachtet erreichten die Niederlande mit 50% weniger Übernachtungen als 2019 die geringsten Rückgänge, gefolgt von Österreich (Rückgang 55%), der Schweiz (Rückgang 60%) und Großbritannien (Rückgang 71%). Die USA und China verbuchten mit 75 Prozent bzw. 82 Prozent die höchsten Rückgänge. Mit insgesamt 289.305 Übernachtungen von Januar bis Dezember 2020 waren die Niederlande volumenmäßig der wichtigste internationale Quellmarkt für Hessen.

Hinsichtlich der aktuellen Einreisebeschränkungen gibt es im Vergleich zur vorherigen Tourismusradar-Ausgabe nur wenig Neuerungen. Eine Einreise aus den USA, China und Großbritannien ist weiterhin nicht möglich (Ausnahme: zwingende Notwendigkeit) und auch die Einreise aus den Niederlanden, der Schweiz und Österreich ist aufgrund der Einstufung der Länder als Risikogebiete nach wie vor mit einer Quarantäne-Verpflichtung, der Pflicht zur digitalen Einreiseanmeldung und einer Testpflicht auf das Corona-Virus verbunden. Neben Großbritannien ist seit Mitte Februar 2021 auch das Bundesland Tirol in Österreich als Virusvarianten-Gebiet eingestuft, wodurch weiter verschärfte Einreisebedingungen gelten.

Die hier dargestellten Daten werden in jeder Ausgabe des Tourismusradars aktualisiert, die aktuellen Einordnungen der Risikogebiete seitens des RKI finden Sie hier: Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete durch das Auswärtige Amt.

 

„Länder-Special“: Quellmarkt USA

Nach dem Blick auf den Quellmarkt China in der Januar-Ausgabe, steht in dieser Ausgabe des Tourismusradars der nach Übernachtungen im Jahr 2019 wichtigste internationale Quellmarkt Hessens im Fokus des „Länder-Spezials“: die USA.

Das Reiseland Deutschland liegt auf Platz vier der europäischen Auslandsreiseziele der US-Amerikaner, hinter Großbritannien, Frankreich und Italien. 2019 wurden aus den USA 3.057.411 Ankünfte und 6.979.298 Übernachtungen (inkl. Camping) in Deutschland verzeichnet. Etwa die Hälfte der Deutschlandreisen der US-Amerikaner sind Urlaubreisen, jede Dritte eine Geschäftsreise. Im Vergleich zu den weiteren im Tourismusradar bereits betrachteten Quellmärkten haben die USA den höchsten Anteil an Geschäftsreisen in Deutschland (China 25%, Österreich 22%, Großbritannien 20%, Schweiz 13% und Niederlande 7%). Die Urlaubsreisen der US-Amerikaner in Deutschland finden am häufigsten in Form von Städtereisen (32%) oder Rundreisen (27%) statt.

Die beliebtesten deutschen Bundesländer der US-Amerikaner sind, nach Übernachtungen, Bayern, Berlin und an dritter Stelle Hessen. Auch Frankfurt steht mit gut 708.000 Übernachtungen im Jahr 2019 auf Platz 3 im Ranking der deutschen Großstädte. 2019 reisten insgesamt 565.452 US-Amerikaner nach Hessen und verzeichneten im Bundesland 974.089 Übernachtungen. Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einreisebeschränkungen nach Deutschland sind die Ankunfts- und Übernachtungszahlen 2020 drastisch gesunken. Von Januar bis Dezember 2020 konnten lediglich 137.138 Ankünfte und 240.960 Übernachtungen verbucht werden. Dies entspricht einem Rückgang von 76 Prozent der Ankünfte und 75 Prozent der Übernachtungen.

Das Infektionsgeschehen in den USA ist weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Seit Beginn der Pandemie wurden 28.261.595 Infektionen (Stand 23.02.2021) verzeichnet, so viel wie in keinem anderen Land. Zudem sind bereits mehr als eine halbe Million Amerikaner an den Folgen der Viruserkrankung gestorben. Seit Mitte Januar diesen Jahres gelten die USA als Hochinzidenzgebiet und gehören somit zu den Gebieten mit besonders hohem Infektionsrisiko durch besonders hohe Inzidenzen für die Verbreitung des Corona-Virus. Zudem gelten bereits seit Monaten die Einreisebeschränkungen bzw. -verbote für alle Nicht-EU Bürger (Ausnahme Reisen mit zwingender Notwendigkeit). In den USA wird Deutschland sowie alle weiteren EU-Staaten auf Stufe drei von vier des Warnsystems eingestuft. Während Stufe vier als Reisewarnung gilt, werden US-Amerikaner bei Stufe drei aufgefordert, ihre Reisepläne zu überdenken.

(Stand 23.02.2021, ZEIT ONLINE: Corona-Virus: Entwicklung im internationalen Vergleich)

Aussichten des Quellmarktes USA für Hessen und seine Reiseregionen

Wie oben beschrieben, hat Hessen 2020 im Vergleich zum Vorjahr gut 75 Prozent weniger Übernachtungen aus den USA verzeichnet. Für Deutschland insgesamt liegt die Zahl der Übernachtungen in diesem Jahr 79 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Aus Analysen von Tourism Economics geht laut Deutscher Zentrale für Tourismus (DZT) hervor, dass sich die USA nur sehr langsam erholen werden. Laut Einschätzungen könnte dieses Jahr das Minus auf etwa 50 Prozent absinken, für 2022 wird ein Volumen von etwa 32 Prozent und für 2023 ca. 22 Prozent unter den Vorkrisenwerten erwartet. Eine positive Entwicklung zeigen die Auslandsreiseabsichten der US-Amerikaner: Umfragen zufolge, die von der DZT in Auftrag gegeben wurden, hatten im September vergangenen Jahres knapp die Hälfte der Amerikaner die Absicht, in den nächsten 12 Monaten ins Ausland zu verreisen (Vergleich zu Ende Mai: 41%), 22 Prozent davon hatten eine Reise nach Deutschland geplant.

Vor der Corona-Pandemie zeigte das Reiseverhalten der US-Amerikaner, dass diese während ihres Deutschlandurlaubes am häufigsten Sehenswürdigkeiten besuchen, in Restaurants oder Cafés gehen, bummeln und flanieren sowie typische Speisen und Getränke aus der Region probieren und an Stadtführungen teilnehmen. Gebucht werden die Deutschlandreisen häufig im Reisebüro und bei fast allen Reisen werden die Leistungen im Voraus gebucht. Die beliebteste Unterkunftsart ist das Hotel (70%), dabei v.a. First-Class-Hotels. Eine Chance für Deutschland als Reiseland liegt in der aktuellen Präferenz der US-Amerikaner, sich während einer Europareise derzeit auf den Besuch eines Landes fokussieren zu wollen. Normalerweise werden auf Europareisen oft Rundtouren durch mehrere Länder unternommen, was die Aufenthaltsdauer in den einzelnen Ländern verkürzt. Es bleibt also abzuwarten, wie sich der Quellmarkt USA für Deutschland und folglich auch für Hessen entwickelt und inwiefern eine erste Erholung in den kommenden Monaten einsetzen wird.

Weiterführende Informationen zum Quellmarkt USA:

Deutsche Zentrale für Tourismus – Marktinformationen
Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. – Updates aus dem TOP 15 Märkten

 

„Themen-Special“: Kulturtourismus

Von Theater, Oper, Musicals und Ausstellungen über Weinfeste und Musikfestivals bis hin zu Parks und Schlössern – Hessen bietet ein vielfältiges kulturelles Angebot und der Kulturtourismus hat eine hohe Bedeutung für den hessischen Tourismus. Doch auch der Kulturtourismus ist stark durch die Corona-Pandemie betroffen. In Zeiten von Corona geben nur 8 Prozent der Deutschen an, Kultururlaub als Reiseart zu bevorzugen (Basis: Repräsentativbefragung der deutschen Bevölkerung, s. oben Abschnitt Wie steht es um die Reiselust der Deutschen?). Dass der Kulturtourismus jedoch ein großes Potenzial hat, zeigt die Tatsache, dass ein Kultururlaub normalerweise von jedem Dritten Deutschen als Reiseart bevorzugt wird.

Touristen kommen häufig in eine Destination, um bewusst das Kulturangebot in Form von Events oder Veranstaltungen oder durch den Besuch entsprechender Einrichtungen wahrzunehmen – Kultur gehört demnach zwingend zum Tourismus. Doch leider sind gerade diese zwei Wirtschaftssektoren stark von der Pandemie betroffen. So wurde 2020 weltweit das Reisen durch Reisebeschränkungen eingeschränkt und ab Mitte März 2020 wurden in Deutschland die Kultureinrichtungen und Veranstaltungsorte immer wieder temporär geschlossen.

Auch die Post-Corona-Phase wird für die Kultur- und Kreativwirtschaft nicht leicht. Akteure im Kreativbereich werden mit einigen Herausforderungen und Änderungen zu kämpfen haben, da sich auch der Kultursektor voraussichtlich nur langsam erholen wird. Einige Schwierigkeiten, auf die es sich vorzubereiten gilt, sind unter anderem lange Vorlaufphasen, Planungsunsicherheiten, steigende Produktionskosten, finanzielle Engpässe, Investitionslücken, verändertes Konsumentenverhalten und die notwendige Professionalisierung von digitalen Geschäftsmodellen.

Allerdings kommen nach den Zeiten des Stillstandes auch neue Möglichkeiten, Chancen und Potenziale. Kultur ist für die Menschen essenziell und das lange Verzichten und Ersehnen an Kulturangeboten birgt großes Potenzial: Die Menschen wollen Kultur! Ergänzend dazu können neue Möglichkeiten im digitalen Bereich genutzt werden. Die Schließung von Kultureinrichtungen in den Lockdowns zeigte die Kreativität und Agilität von Kulturangeboten. Diese geschaffenen digitalen Grundsteine müssen ausgebaut und erweitert werden: Digitalisierung als neuer Wachstumsmarkt!

Ein Rückblick auf das vergangene Jahr, das belastend und lang für die Schaffenden in der Kultur- und Kreativbranche war, zeigt jedoch wie kreativ und anpassungsfähig dieser Sektor ist. In den Lockdowns im Frühjahr, Herbst und Winter haben sich aus der Not heraus viele kreative und inspirierende Ideen entwickelt. Drei von etlichen Beispielen möchten wir Ihnen kurz vorstellen:

  1. Strandkorb Open Air: Der Sparkassenpark Mönchengladbach schaffte es im Sommer trotz Corona-Einschränkungen 65 kulturelle Veranstaltungen von Comedy bis Konzerten im Freien stattfinden zu lassen. Die Idee: 450 Strandkörbe wurden im Innenraum des Parks, nach sogenannten „Inseln“, wie Sylt, Rügen oder Mallorca aufgeteilt. Durch separierte Zugänge mit Ticketscannern und getrennten Toilettenbereichen und ein Einbahnstraßen-System konnten so die Hygiene- und Abstandsregeln erfolgreich eingehalten werden. Von Juli bis Oktober haben rund 55.000 Besucher dieses Angebot in Anspruch genommen. Die erfolgreiche Konzeption wurde mit dem 1. Platz des Deutschen Tourismuspreis 2020 prämiert und wird auch 2021 fortgeführt (https://strandkorb-openair.de/).
  2. Oper trotz Corona: Die Staatsoper Stuttgart lädt Opern- und Kulturliebhaber zu regelmäßigen digitalen Veranstaltungen über Online-Streams ein. Das Onlineprogramm ist eine Weiterentwicklung zum Pilotprojekt aus 2020. Es gibt Streams mit Online-Premierenfeiern, Nachgesprächen oder Lunchkonzerten im Home-Office. Zusätzlich hat die Staatsoper ein Bildungsangebot für den Digitalunterricht und zur Unterstützung der kulturellen Sehnsucht etabliert, so werden kurzweilige Unterrichtsstunden zum Beispiel zur Jungen Oper angeboten. Noch bis Ostern gibt es Veranstaltungen von Opernball, bis hin zu Opern im Stream und Sinfoniekonzerten an fixen Wochentagen. Begleitend hat die Staatsoper ein ansprechendes, modernes Booklet entwickelt, das unterhaltsam die Eckdaten und Features wie Tanzoptionen und Dresscode darstellt. Das Angebot der Staatsoper Stuttgart ist kostenfrei (https://www.staatsoper-stuttgart.de/download/25771/staatsoperstuttgart_opertrotzcorona.pdf).
  3. Digitales Museum: Der Kunstpalast Düsseldorf hat neben zahlreichen anderen Museen ein digitales alternatives Angebot geschaffen. So kann man über die Website des Kunstpalastes einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung machen, der hochwertig, ansprechend und intuitiv konzipiert wurde. Ergänzend werden Online-Workshops sowohl für Kinder als auch für Erwachsene angeboten, es gibt Online-Diskussionen zu verschiedenen Themen (auch zum Nachhören), Gespräche aus den Ausstellungen und Vorstellungen von Kunstwerken freier Mitarbeiter. Ergänzend dazu gibt es einen Podcast mit einem breitem Themenspektrum und kurze Audios zu Kunstwerken (https://www.kunstpalast.de/de/digitales).

 

Ausblick

Für die weiteren Tourismusradar-Ausgaben werden wir die Entwicklungen und Veränderungen in den relevanten Themenbereichen und internationalen Quellmärkten Hessens weiter im Blick behalten und Sie fortlaufend über die entsprechenden Entwicklungen informieren. Im März richten wir den Blick darüber hinaus auf das übergeordnete Thema der Digitalisierung in Zeiten während und nach Corona.

Die Ausgabe 6 des Tourismusradar Hessen können Sie auch hier als pdf downloaden.

 

Quellen

Repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung (eigene Erhebung, exklusiv für Hessen)
Hessisches Statistisches Landesamt
Statistisches Bundesamt (Destatis)
Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise
Deutsche Zentrale für Tourismus – Marktinformationen
Deutsche Zentrale für Tourismus – Updates aus dem TOP 15 Märkten
Deutsche Zentrale für Tourismus – From the desk of Petra Hedorfer
Kompetenzzentrum Kultur- & Kreativwirtschaft des Bundes

Hinweis: Die Darstellung und Erläuterung der Entwicklung der statischen Kennzahlen basiert auf der Grundlage der bei den statischen Ämtern jeweils monatlich veröffentlichten, absoluten Daten.



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Ein Kommentar

Kommentare




  1. Interessant, wie weit abgeschlagen FrankfurtRheinMain als Ziel für Erholungsurlaub, Aktivurlaub und Natururlaub ist. Dabei gibt es doch so viel hier dazu. Ich erlebe es aber auch immer, dass viele Familien, mit denen ich im Austausch stehe, nicht wissen, was es für tolle Ziele hier in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet gibt. Da ist noch viel Luft nach oben…

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